Wichtige Ergänzung:
Das mit dem Link Xerocomus/Xerocomellus-Europäische Arten von Thomas Rödig (PDF)
abrufbare Dokument (Stand Dezember 2011) berücksichtigt die aktuellen
Erkenntnisse zur Einordnung in die Gattungen Xerocomus s.str. und
Xerocomellus und bietet somit wichtige Ergänzungen bzw.
Aktualisierungen zum nachfolgenden Xerocomus-Schlüssel.
Die Filzröhrlinge
Xerocomus
(inkl. einiger weiterer Boletales-Arten mit filzigem Hut)
(Stand 2/2006)
Erstellt von M. Schmidt
Unter Zugrundelegung des Schlüssels von LADURNER und SIMONINI aus Fungi Europaei Bd. 8
Inhalt:
Fl. = Fleisch
Frk. = Fruchtkörper
HDS = Hutdeckschicht
Sp. = Sporen
St. = Stiel
Bre = Bresinky, A. & Besl, H.. (1996): Regensburger Mykologische Schriften 11, S.216
Eng = Engel, H. & al. (1996): Die Schmier- und Filzröhrlinge s.l. in Europa.
FE8 = Ladurner, H. & Simonini, G. (2003): Xerocomus - Fungi Europaei Bd. 8
Die Gattung Xerocomus ist eine schwierige Gattung. Es gibt immer noch große Probleme in Bezug auf Artkonzeption und Interpretierung der Variationsbreite makroskopischer Merkmale. Mehr noch: Neuere Studien mithilfe von Molekulartechniken haben gezeigt, dass Xerocomus möglicherweise in drei bis vier nicht eng verwandte Gattungen aufgeteilt werden muss:
Molekulargenetische Untersuchungen zeigen aber auch das zwischen den Xerocomus-Arten im Cladiogram einige Arten aus anderen Gattungen stehen, z. B. Boletus impolitus, Boletus depilatus und Phylloporus pelletieri. Dagegen scheint der Gattungsrang der Arten mit gestreiften Sporen, die oft zu Boletellus umkombiniert worden sind, nicht mehr haltbar [Bre].
nur eine Art: X. parasiticus
Arten: Boletus depilatus, Boletus impolitus
Arten: Boletus ichnusanus, Boletus roseoalbidus
nur eine Art: X. badius
Arten: Phylloporus pelletieri, X. subtomentosus, X. ferrugineus, X. moravicus, X. persicolor, X. armeniacus
Arten: X. chrysenteron, X. pruinatus, X. porosporus, X.rubellus, X. communis, X. cisalpinus, X.ripariellus, X. fennicus, X. erubescens, X. bubalinus, X.dryophilus
Wachstum auf/an Scleroderma
Nur eine Art. Durch das Wachstum auf Kartoffelbovisten gut kenntlich. Taxonomisch ist die Art nicht so gut festgelegt. Sie wurde vor einigen Jahren in die neu geschaffene Gattung Pseudoboletus überführt, dies hat sich bis heute jedoch nicht durchgesetzt.
| 1. | X. parasiticus (Bull.) Quél. |
Habitus boletoid, Stiel ohne Netz, Fl. im Schnitt unveränderlich weiß, der Frk. nirgendwo blauend.
| 1. | HDS epitheloid, hymeniform, Hut fleckig, kein Jodoform bzw. Karbolgeruch, meist bei Hainbuche. | Boletus depilatus Redeuilh |
| 1* | HDS ein Trichoderm aus irregulär verwobenen Hyphen, graufilzige Huthaut, Geruch nach Jodoform bzw. Karbol, bei Eiche und Buche | Boletus impolitus Fr. |
Mediterrane bzw. südliche Arten.
| Stiel zumeist deutlich wurzelnd mit +/- deutlich ausgeprägtem Netz oder einer granulösen Ringzone in der oberen Stielhälfte; Fl. stark blauend oder im Hut deutlich rosafarben bis pink oder rot gefärbt; Frk. häufig büschelig wachsend. | ||
| 1. | Hut bräunlich; Stiel oft mit Netz, Fl. intensiv blauend, ansonsten unauffällig gefärbt; Sp. < 6µm breit; HDS ein Trichoderm aus unauffälligen dünnwandigen Hyphen | X. ichnusanus Alessio, Galli R. & Littini |
| 1* | Hut rosafarben bis weißlich oder rötlich, Stiel zumeist ohne Netz, Fl. im Hut pink bis purpurfarben; Sp. > 6µm breit; HDS ein Trichoderm aus unauffälligen dünnwandigen Hyphen sowie auch vereinzelt auffällige dickwandige Hyphen | X. roseoalbidus Alessio & Littini |
Hut braun, Hutoberfläche glatt, Hut leicht schmierig wenn feucht.
| Frk. robust, HDS ein Trichoderm aus langen dünnen, ineinander verflochtenen Hyphen, Sp. blassgelb bis hellbraun. | X. badius (Fr.) Kühner |
Elemente mit kongophilen Plaquen oder Elemente der Huthaut glatt bis höchstens fein inkrustiert in 3% KOH (Subtomentosus-Gruppe)
| 1. | HDS mit kongophilen Plaquen oder Frk. zumindest in den unteren Stielabschnitten safrangelb. | 2 |
| 1*. | HDS ohne kongophilen Plaquen, Frk. nie auffallend safrangelb in den unter Stielabschnitten. | 3 |
| 2. | Hut rosa bis pink gefärbt, HDS ohne oder nur mit sehr vereinzelten kongophilen Plaquen, Fl. in Stiel safrangelb auch im Exsiccat sichtbar. | X. persicolor H. Engel, Klofac, H. Grünert & R. Grünert |
| 2*. | Hut aprikosenfarben, HDS mit kongophilen Plaquen, Exsiccate nicht safrangelb.
|
X. armeniacus (Quél.) Quél. (1888) |
| 3. | Sp. im Lichtmikroskop fast hyalin, Sp.-Quotient im Mittel < 2,3, Hymenophor blass weißlich-gelb, Hutoberfläche glatt wenn jung, jedoch bald fein aufgesprungen, mit Ammoniak nicht blauend, Konsistenz des Stieles nicht auffallend fest. | X. moravicus (Vacek) Herink |
| 3*. | Sp. im Lichtmikroskop blassgelb oder honigfarben bis braun, Sp.-Quotient im Mittel > 2,3, Hymenophor leuchtend gelb in jungen frischen Frk., Hutoberfläche deutlich filzig, nur bei sehr trockener Witterung aufgesprungen, frische Frk. mit Ammoniak blauend. Stiel von auffallend fester Konsistenz. | 4 |
| 4. | Hymenophor lamellenförmig. | Phylloporus pelletieri (Lév.) Quél. |
| 4*. | Hymenophor röhrenförmig. | 5 |
| 5. | Fleisch hellgelb, rosafarben in der Stielbasis, Sp. > 4,5 µm breit (im Mittel 12,2 x 4,8 µm). Poren jung leuchtend gelb, auf Druck meist schwach bis deutlich blauend, Stielgrundfarbe v. a. oben deutlich gelb, Stielrippen schmaler eher längsrippig, Basalmyzel weißlich bis blass gelblich, Habitat eher planar/collin, bessere Böden, thermophil, Eiche Kastanie etc. | X. subtomentosus (Krombh.) Quél. |
| 5*. | Fleisch weißlich auch in der Stielbasis, Sp. < 4,5 µm breit (im Mittel 11,6 x 4,2 µm). Poren jung matt gelb, auf Druck eher bräunend, kaum oder nicht blauend, Stielgrundfarbe bräunlich beige, Stielrippen gröber, kürzer oft netzmaschig, Basalmyzel kräftig gelb oft stark ausgeprägt, Habitat eher submontan, arme, frische Böden Nadelwald, Buche. | X. ferrugineus (Boud.) Bon |
Elemente der HDS deutlich inkrustiert in 3% KOH. Endzellen häufig nur schwach inkrustiert oder glatt (Chrysenteron-Gruppe)
| 1. | Sporen truncat. | 2 |
| 1*. | Sporen nicht truncat. | 3 |
| 2. | Sporenoberfläche glatt, Frk. überwiegend mit trüben, grau-braunen Farben und mit nur schwach roten Farbtönen, häufig mit einer rötlichen Ringzone an der Stielspitze; thermophile Art Vorkommen bei Eiche, Buche, Hainbuche etc. | X. porosporus (Imler) Contu |
| 2*. | Sporenoberfläche deutlich längs gestreift, junge Frk. leuchtend rot, später oliv bis grau; Vorkommen bei Birke, Erle etc.
|
X. fennicus (Harmaja) H. Ladurner & Simonini |
| 3. | Hut und Stiel mit Rottönen und/oder mit feuerrotem Pigment in der Stielbasis. | 4 |
| 3*. | Hut mit Dunkelbraun, braun - und Olivtönen oft feldrig aufgerissen, Stiel mit Rottönen, ohne feuerrote Pigmente in der Stielbasis. | 7 |
| 4. | Sporenstreifung im Lichtmikroskop deutlich sichtbar, Sporenquotient im Mittel > 2,5 µm, Hutfarben karmin- braunrot, keine feuerroten Pigmente in der Stielbasis, Vorkommen bei Erle, Pappel, Weide etc. in feuchten stickstoffreichen Habitaten | X. ripariellus Redeuilh |
| 4*. | Sporen im Lichtmikroskop glatt, Sporenquotient im Mittel < 2,5 µm | 5 |
| 5. | Sporen im Mittel < 5,5 µm breit, Hut intensiv rot, Fl. im unteren Stielbereich dunkelrot, aber ohne feuerrote Pigmente;
überwiegend bei Eiche.
|
X. dryophilus (Thiers) Singer |
| 5*. | Sporen im Mittel > 5,5 µm breit, oft mit feuerrotem Pigment in der Stielbasis. Vorkommen bei Linde und Eiche aber auch bei anderen Laubbäumen, häufig in anthropogen beeinflußten Habitaten, wie Gärten und Wegrändern. | 6 |
| 6. | Hut und Stiel zumindest jung intensiv rot, Fl. auf Druck überall deutlich blauend, bisweilen mit feuerrotem (nicht sehr deutlichem) Pigment in der Stielbasis. Vorkommen bei Linde und Eiche, aber auch bei anderen Laubbäumen, häufig in anthropogen beeinflußten Habitaten. | X. rubellus (Fr.) Kühner |
| 6*. | Hut
gelbbraun, braun, graubraun oder braun mit deutlichen rötlichen,
rosa-oder aprikosenfarbenen Tönen,Stiel gelb bis gelbbraun, manchmal
mit rötlichen Tönen, Fl. im Hut und oberen Stiel auf Druck (schwach)
blauend, immer mit feuerrotem Pigment in der Stielbasis. Überwiegend
bei Eiche.
|
X. communis (Bull.) Bon |
| 7. | Hutfleisch im Schnitt rötend, seltene, relativ neue beschriebene Arten. | 8 |
| 7*. | Hutfleisch im Schnitt nicht rötend (Xerocomus chrysenteron s. l.). | 9 |
| 8. | Hutfleisch in Schnitt leicht rötend, Vorkommen bei Pappel und Linde
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X. bubalinus (Oolbekk. & Duin) Redeuilh |
| 8*. | Hutfleisch in Schnitt deutlich rötend (himbeerrot), Vorkommen bei Eiche
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X. erubescens Cadiñanos & Band.-Muñoz |
| 9. | Huthaut für gewöhnlich nicht rissig aufgesprungen, oft uneben filzig, schwarzbraun, Fl. in Stiel leuchtend gelb, Sporen im Mittel > 5 µm breit, im Lichtmikroskop ist eine undeutliche Streifung sichtbar. | X. pruinatus (Fr. & Hök) Quél. |
| 9*. | Nicht mit dieser Merkmalskombination. | 10 |
| 10. | Huthaut bald feinrissig aufgesprungen, Fl. in Stiel weißlich, deutlich blauend, ohne Rottöne in der Stielrinde. Sporen im Mittel < 5 µm breit, im Lichtmikroskop ist eine undeutliche Streifung sichtbar. | X. cisalpinus Simonini, H. Ladurner & Peintner |
| 10*. | Huthaut oft grobfeldrig aufgesprungen, mit deutlichen Rottönen am Stiel und in der Stielrinde. Sporen glatt. | X. chrysenteron (Bull.) Quél. |